PALLIATIVE CARE

Fototherapie am Lebensende

Wenn Krankheit und körperliche Einschränkungen das Leben zunehmend bestimmen, kann der Blick auf die eigene Geschichte einen anderen Zugang zur eigenen Person eröffnen.

Wer bin ich – jenseits meiner Krankheit?
Was hat mein Leben geprägt?
Was ist mir wichtig?
Was möchte ich weitergeben?

Meine Arbeit auf der Palliativstation

Seit 2020 arbeite ich als Fototherapeutin auf der Palliativstation des Spital Zollikerberg. Was als Pilotprojekt begann, ist inzwischen ein fester Bestandteil des Therapieangebots. Ich begleite Menschen in einer sehr besonderen und oft herausfordernden Lebenssituation. Dabei steht nicht die Krankheit im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seiner eigenen Geschichte, seinen Beziehungen und seinen Erinnerungen.

Fotografien als Gegenüber

Fast jeder Mensch besitzt Fotografien aus seinem Leben. Sie können in Alben liegen, in Schachteln, auf dem Handy oder in einem Familienarchiv. Gemeinsam betrachten wir diese Bilder. Sie können Erinnerungen wecken, längst Vergessenes zurückbringen und Gespräche über Menschen, Orte und wichtige Lebensabschnitte anstoßen.

Manchmal reicht ein einziges Bild.

Wie ich arbeite

Die Begegnungen sind niedrigschwellig und richten sich immer nach dem jeweiligen Menschen. Wir schauen Fotografien an, erzählen, erinnern, gestalten oder fotografieren. Manchmal entsteht ein Gespräch über ein altes Familienfoto. Manchmal ein Portrait, eine Collage oder ein kleines persönliches Lebensbuch. Es muss dabei nichts Bestimmtes entstehen. Entscheidend ist die Begegnung und das, was durch die Bilder in Bewegung kommt.

Erinnern und Bewahren

Persönliche Fotografien können einen Menschen wieder mit wichtigen Teilen seines Lebens verbinden. Sie erzählen von Familie und Freundschaften, von früheren Lebensabschnitten, von Orten und Beziehungen. Gerade am Lebensende können solche Bilder helfen, die eigene Lebensgeschichte noch einmal wahrzunehmen und das, was im eigenen Leben wertvoll war, sichtbar zu machen. Für Angehörige können daraus Erinnerungen entstehen, die über den Tod hinaus bewahrt werden können.

Fotografie und Vergänglichkeit

Die Auseinandersetzung mit Leben und Tod begleitet meine fotografische Arbeit seit vielen Jahren. In meinen künstlerischen Projekten Traces und Ashes – und was vom Ende bleibt beschäftige ich mich mit dem, was ein Mensch hinterlässt, mit Erinnerung, Vergänglichkeit und den Spuren, die bleiben. Die Arbeit mit Menschen am Lebensende ist eng mit dieser künstlerischen Auseinandersetzung verbunden. Sie führt meine Beschäftigung mit Erinnerung und Vergänglichkeit auf eine unmittelbare, persönliche Weise weiter.

„Viele Patientinnen und Patienten vergessen in der Not, dass es ganz viel Positives gab in ihrem Leben. Mit meiner Hilfe gelingt es meist, dies in Erinnerung zu rufen. Das Material, mit dem wir arbeiten, ist das Leben.“

Tina Ruisinger